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BAföG – Mit Geld vom Staat das Studium finanzieren

Studieren und vom Staat Geld bekommen – BAföG machts möglich. Die Förderung soll jungen Menschen eine Ausbildung ermöglichen, die ihren Wünschen und Talenten entspricht. Unabhängig von der finanziellen Situation ihres Elternhauses. Im Jahr 2018 bekam beinah jeder fünfte Studierende BAföG, doch es könnten weit mehr sein. Viele beantragen keine Förderung, weil sie glauben, die Voraussetzungen nicht zu erfüllen – und liegen damit falsch. Selbst wer mit über 30 ein Studium beginnt, kann unter Umständen trotzdem BAföG beantragen. Diejenigen mit gut verdienenden Eltern qualifizieren sich möglicherweise für elternunabhängige Förderung. Wer sich nicht informiert, wirds nie erfahren.

Schauen wir uns näher an, wer BAföG bekommen kann, wie die Antragstellung funktioniert und um wie viel Geld es hier überhaupt geht.


Was ist BAföG?

Damit junge Menschen unabhängig von ihrem sozialen Status ein Studium oder eine Ausbildung ihrer Wahl absolvieren können, wurde im Jahr 1971 das BAföG eingeführt. Die Abkürzung steht für Bundesausbildungsrderungs-Gesetz, das die rechtlichen Rahmenbedingungen der staatlichen Finanzspritze stellt. Schüler und Studierende erhalten sie, falls weder ihr eigenes Einkommen noch das ihrer Eltern oder Ehepartner zur Finanzierung ihres Lebensunterhalts während der Ausbildung reicht.

Das Studierenden-BAföG besteht jeweils zur Hälfte aus einem zinsfreien Darlehen und einem geschenkten Zuschuss. Vom Darlehen müssen höchstens 10.000 Euro zurückgezahlt werden, unabhängig davon, wie hoch die Förderung tatsächlich war.

Im Jahr 2018 erhielten 518 000 Studierende BAföG, etwa zu gleichen Teilen als Teil- und Vollförderung. Von den rund 2,8 Millionen immatrikulierten Studierenden im selben Jahr sind demzufolge schätzungsweise 19 % BAföG-Empfänger. Dabei ist vielen Studierenden nicht bewusst, dass sie dazu gehören könnten. Es lohnt sich, seinen Anspruch in einem BAföG-Rechner auszurechnen oder sich vom Studierendenwerk beraten zu lassen. Denn sogar diejenigen, die die Altersgrenze überschritten haben oder ihr Abitur am Abendgymnasium nachholen, kommen möglicherweise für eine Förderung infrage.

Die Höhe des BAföG hängt unter anderem vom Einkommen der Eltern ab. In Ausnahmefällen kann elternunabhängiges BAföG beantragt werden – zum Beispiel, wenn der Antragsteller nach seinem 18. Lebensjahr fünf Jahre bzw. nach einer dreijährigen Ausbildung drei Jahre erwerbstätig war und während dieser Zeit seinen Lebensunterhalt selbstständig finanzieren konnte.

Schüler, die eine weiterführende Schule besuchen und noch keine abgeschlossene Berufsausbildung haben, können Schüler-BAföG beantragen. Ob ihre Ausbildung förderfähig ist, kommt auf ihre Wohnsituation und die Schulform an. Für Azubis in betrieblicher Ausbildung gibt es kein Geld vom BAföG-Amt, sie können Berufsausbildungsbeihilfe beantragen. Aber das nur am Rande.


Wer hat Anspruch auf BAföG?

BAföG bekommen deutsche Schüler, Studierende und Personen im Praktikum, die ihre Ausbildung nicht allein oder mithilfe ihrer Eltern finanziell stemmen können. Ausländische Studierende mit Bleibeperspektive – das schließt geflüchtete Menschen ein – haben ebenfalls Anspruch auf BAföG.

Damit der Antrag auf Ausbildungsförderung genehmigt wird, müssen eine Reihe von Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Besuch einer staatlich anerkannten Bildungsstätte (z. B. Universität, Fachhochschule, Berufsfachschule oder Abendgymnasium) im In- und Ausland
  • Erstausbildung in Vollzeit
  • Oder: zweiter Bildungsweg und daran anschließendes Studium
  • Ausbildungsbeginn vor dem 30. Geburtstag

Bei der Altersgrenze gelten Ausnahmen für Antragsteller, die Kinder haben, mit einer Behinderung leben, im Auswahlverfahren durchgefallen sind oder sich vor ihrem 22. Geburtstag für eine mindestens achtjährige Dienstzeit bei der Bundeswehr verpflichteten. Wer Förderung für ein Masterstudium beantragt, muss dieses vor vollendetem 35. Lebensjahr antreten.

Empfänger von Ausbildungsförderung müssen ihrem BAföG-Amt nach dem vierten Fachsemester oder der Zwischenprüfung einen Leistungsnachweis vorlegen. Falls ihre Leistungen dem üblichen Verlauf der Ausbildung entsprechen, erhalten sie weiterhin Unterstützung.


Wie viel BAföG bekomme ich?

Auf die wohl wichtigste Frage eines jeden BAföG-Interessenten gibt es leider keine pauschale Antwort, da keine feste Einkommensgrenze existiert. Nach Angaben des Deutschen Studentenwerks kommt eine Teilförderung für Studierende infrage, deren Eltern brutto ungefähr 40.000 Euro im Jahr haben. Unter einem jährlichen Nettoeinkommen von rund 20.500 Euro kann mit der maximalen Förderung gerechnet werden.

Ergebnisse von BAföG-Rechnern liefern eine grobe Orientierung des zu erwartenden Betrags. Wer eine genauere Auskunft benötigt, kann sein BAföG-Amt um eine unverbindliche Berechnung anhand des Einkommensteuerbescheids seiner Eltern bitten.

Die Höhe der Förderung hängt im Wesentlichen von den folgenden Faktoren ab:

  • Einkommen und Vermögen des Studierenden
  • Einkommen des Ehegatten oder eingetragenen Lebenspartners
  • Einkommen der Eltern

Und zwar in genau der Reihenfolge. Ein geringes Einkommen der Eltern verschafft dem Antragsteller nicht gleichzeitig die volle Förderung, falls er oder sein Lebenspartner sehr gut verdient.

Für Darlehensempfänger gelten die nachstehenden Freibeträge. Beim Überschreiten gibt es trotzdem Geld, die Förderung sinkt jedoch anteilig.

  • Geld- und Sachvermögen: 7.500 Euro (plus 2.100 Euro für Ehepartner und jedes Kind)
  • Jahreseinkommen: 5.421 Euro (das entspricht einem 450-Euro-Job)

Im Wintersemester 2018/19 lag der Regelbedarfssatz (Grundbedarf und Wohngeld) bei 744 Euro für Studierende mit eigenem Haushalt und 474 Euro für alle, die noch bei ihren Eltern wohnen. Wer Kinder unter 14 Jahren hat, kann zudem einen Kinderbetreuungszuschlag beantragen, der aktuell 140 Euro beträgt. Studierende, die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung selber zahlen, also nicht familienversichert sind, erhalten für diesen Zweck einen Zuschuss von insgesamt 109 Euro. In Anbetracht an die hohen Mietpreise einiger Städte soll der BAföG-Höchstsatz bis 2020 auf 850 Euro steigen.


Wie lange wird BAföG gezahlt?

Die Dauer der Förderung ist an die Regelstudienzeit gebunden, wie sie in der Studien- oder Prüfungsordnung des betreffenden Fachs vermerkt ist. Beträgt diese zum Beispiel sechs Semester, endet der Anspruch auf BAföG danach, egal ob der Darlehensempfänger mit dem Studium fertig ist.

Die Förderungshöchstdauer ist unabhängig von der Anzahl der Semester, in denen Studierenden tatsächlich BAföG ausgezahlt wurde. Wer beispielsweise im ersten Semester noch keine Unterstützung beantragte, hat keinen verlängerten Anspruch über die Regelstudienzeit hinaus. Studierende, die länger krank waren, ein Kind betreuen, ein Familienmitglied pflegen oder sich im Fachschaftsrat engagieren, bekommen auf Antrag länger BAföG.

Beim Studium gelten die ersten drei Semester als Orientierungsphase. Sie werden bei einem Fachwechsel nicht mitgezählt. Wer nach dem ersten Semester aus wichtigen Gründen das Fach wechselt und ein neues Studium beginnt, erhält in der neuen Ausbildung während der gesamten Regelstudienzeit BAföG.

Im Gegensatz dazu wird Schüler-BAföG solange ausgezahlt, wie der Förderungsberechtigte die Bildungsstätte besucht. Also im Idealfall bis zum Ende der Ausbildung.


Wann und wo muss BAföG beantragt werden?

Wer zum ersten Mal Ausbildungsförderung für ein Studium beantragt, reicht seine Unterlagen spätestens im Monat des Ausbildungsbeginns ein. Denn BAföG gibt es ab dem Monat der Antragstellung. Um die Frist zu wahren, genügt auf die Schnelle ein formloser Antrag, sofern alle benötigten Unterlagen zeitnah eingereicht werden. Dann wird das BAföG rückwirkend gezahlt. Liegt dem BAföG-Amt der Antrag im Oktober mit Semesterbeginn vor und verschickt den Bewilligungsbescheid im Dezember (ja, die Bearbeitungszeit kann zwei bis drei Monate betragen), erhält der Studierende Geld für Oktober, November und Dezember.

Studierende, die im Ausland studieren wollen oder ein Auslandssemester planen, müssen dazu spätestens sechs Monate vor ihrer Abreise bei einem der achtzehn Auslands-BAföG-Ämter Auslands-BAföG beantragen.

Einzureichen ist der BAföG-Antrag beim Amt für Ausbildungsförderung, das in den meisten Städten im Studenten- oder Studierendenwerk anzutreffen ist. Bei der Suche nach dem passenden Amt hilft die BAföGdirekt-App. Die elektronische Beantragung ist mittlerweile ebenfalls möglich, hängt jedoch vom Bundesland ab. Da der Antrag eigenhändig unterschrieben werden muss, ist eine Übermittlung der Daten ausschließlich via De-Mail oder der eID-Funktion des Personalausweises möglich. Wer diese Methoden nicht nutzen kann oder mag, füllt die Formulare am Computer aus, um sie anschließend auszudrucken, zu unterschreiben und dann auf dem Postweg seinem Sachbearbeiter zuzustellen.

Die Antragstellung ist grundsätzlich kostenlos. Allerdings gilt die Förderung nur für zwei Semester und wird im kommenden Jahr erneut beantragt. Um eine ununterbrochene Finanzierung zu gewährleisten, sollte der Folgeantrag spätestens zwei Monate vor regulärem Ende der aktuellen Förderung beim BAföG-Amt vorliegen. Da im Prüfungsstress so ein Termin leicht in Vergessenheit geraten kann, bietet das Studierendenwerk Mannheim einen praktischen BAföG-Erinnerungsdienst an.


Welche Unterlagen werden für den BAföG-Antrag benötigt?

Diejenigen, die zum ersten Mal BAföG beantragen, müssen auf jeden Fall die folgenden Formblätter ausfüllen. Im Zweifelsfall hilft der Antragsassistent des Bildungsministeriums dabei, die richtigen Formulare auszuwählen:

  • Formblatt 1
  • Anlage 1 zu Formblatt 1 (schulischer und beruflicher Werdegang)
  • Formblatt 2 oder Immatrikulationsbescheinigung mit dem Vermerk Bescheinigung nach § 9 BAföG
  • Formblatt 3 (Einkommenserklärung für jeden Elternteil – falls beide Einkommen hatten – und für Ehegatten/eingetragene Lebenspartner)

Studierende, die Kinder unter 14 Jahren haben und den Kinderbetreuungszuschlag erhalten wollen, füllen dazu die Anlage 2 zu Formblatt 1 aus.

Hinweis: Ein Großteil aller BAföG-Anträge geht unvollständig beim Amt ein oder weist sonstige Mängel auf. Darum sollten die Daten am besten online eingetragen werden, um kein Pflichtfeld zu übersehen.

Neben den ausgefüllten Formularen sind diverse Nachweise einzureichen. In der Regel genügen Kopien. Am wichtigsten ist die komplette Einkommensteuererklärung der Eltern vom vorletzten Kalenderjahr vor Beginn des Bewilligungszeitraums. Wieso? Weil die Wahrscheinlichkeit am höchsten ist, dass die Steuererklärung nach zwei Jahren fertig ist und vollständig vorliegt. Verdienen die Eltern aktuell deutlich weniger, ist das dem BAföG-Amt mit dem Formblatt 7 unbedingt mitzuteilen.

Studierende müssen außerdem ihr Vermögen in Form von Kontoauszügen oder Schätzwert des Autos nachweisen, egal ob sie mehr oder weniger als 7.500 Euro besitzen. Hinzu kommen Meldebescheinigung oder Mietvertrag für Antragsteller, die nicht mehr bei den Eltern wohnen und gegebenenfalls Nachweise über eigenes Einkommen (Lohnabrechnung, Waisenrente o. Ä.). Wird Unterstützung zur Kinderbetreuung beantragt, braucht das Amt eine Kopie der Geburtsurkunde des Kindes.

Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Welche Nachweise das Amt tatsächlich benötigt, ist dem BAföG-Antrag zu entnehmen. Falls weitere Belege benötigt werden, informiert es den Antragsteller schriftlich darüber.

Und noch ein letzter Hinweis: Bis zur Bewilligung der Ausbildungsförderung können zwei bis drei Monate vergehen. Wer dringend Geld braucht und seinen Antrag weitgehend vollständig eingereicht hat, hat nach acht Wochen Wartezeit Anspruch auf einen BAföG-Vorschuss.

Für den Fall, dass eins oder beide Elternteile sich weigern, Angaben über ihre Einkünfte zu machen oder bei Teilförderung ihren Beitrag zum Unterhalt nicht zahlen und dadurch die Ausbildung ihres Kindes gefährden, können Studierende nach Rücksprache mit dem BAföG-Amt einen Antrag auf Vorausleistung stellen. Zu diesem Zweck dient das Formblatt 8. In dem Fall geht das Amt in Vorleistung und versucht anschließend, das Geld von den Eltern wiederzubekommen.


Wann muss das BAföG zurückgezahlt werden?

Viereinhalb Jahre nach dem Ende der Förderungshöchstdauer (die nicht immer dem Ende des Studiums entspricht), verschickt das Bundesverwaltungsamt (BVA) den sogenannten Darlehens- und Rückzahlungsbescheid an die aktuell vorliegende Anschrift. Da BAföG-Empfänger gegenüber dem BVA in der Mitteilungspflicht stehen, sollten sie schon während des Studiums und danach Änderungen ihres Namens oder ihrer Adresse umgehend dem BVA melden. Das geht im Internet auf dem Portal BAföG online oder schriftlich. Falls das BVA die Adresse nämlich zum Versand des Briefs erst ermitteln muss, kostet das den Darlehensempfänger 25 Euro.

Die Ausbildungsförderung besteht zur Hälfte aus einem zinslosen Darlehen, die andere Hälfte ist geschenkt. Davon ausgenommen ist Schüler-BAföG. Dabei handelt es sich um einen Vollzuschuss, der nicht zurückgezahlt werden muss.

Sechs Monate nach Erhalt des Bescheids (oder: fünf Jahre nach Ende der Förderungshöchstdauer) beginnt die Tilgungsphase. Nur der Darlehensteil ist zurückzuzahlen, außerdem ist die Schuld auf 10.000 Euro gedeckelt. Sobald diese Summe bei der Bundeskasse Halle eingegangen ist, werden eventuell noch offene Beträge erlassen.

Für alle, die ab dem 01. September 2019 erstmals BAföG erhielten, gilt: Nach der Zahlung von 77 Monatsraten in der gesetzlich festgelegten Höhe wird eine noch offene Restschuld erlassen. Dabei werden zeitweise im Rahmen einer Teil-Freistellung verminderte Ratenzahlungen als vollwertig mitgezählt.

Normalerweise wird das Darlehen in vierteljährlichen Raten zu 315 Euro abbezahlt. Eine Monatsrate beträgt demzufolge 105 Euro. Ab dem 01. April 2020 steigt die Regelrate auf 130 Euro, dann werden pro Quartal 390 Euro abgebucht. Um seine BAföG-Schulden zu begleichen, haben Darlehensempfänger 20 Jahre Zeit. Wer den Höchstbetrag zurückzahlen muss und sofort die Regelrate von 315 Euro leisten kann, ist nach acht Jahren schuldenfrei.

Doch nicht jeder ehemalige BAföG-Empfänger ist beim Eintreffen des Briefs in einer gut bezahlten Stelle tätig. Wer weniger als 1.225 Euro oder gar nichts verdient, kann eine vorübergehende Freistellung von der Rückzahlungspflicht beantragen. Für Kinder und Ehegatten bzw. Lebenspartner erhöht sich der Freibetrag, es sei denn, diese befinden sich in einer nach dem BAföG förderfähigen Ausbildung. Unabhängig davon, ob sie tatsächlich Unterstützung erhalten. Übersteigt das Einkommen den Grenzwert um 42 Euro, kann eine Verminderung der Monatsrate gewährt werden. Darunter erfolgt die vollständige Befreiung von der Zahlungspflicht.


Gibt es Nachlass vom BAföG?

Unter bestimmten Umständen erlässt das BVA Darlehensempfängern einen Teil ihrer BAföG-Schulden. Das betrifft in erster Linie diejenigen, die das Darlehen vorzeitig zurückzahlen. Den größten Rabatt gibt es, wenn das geborgte Geld zum Fälligkeitstermin der ersten Rate überwiesen wird. Der Rückzahlungsbescheid enthält ein entsprechendes Angebot, falls eine Tilgung auf einen Schlag geplant ist. In diesem Fall gilt der Geldeingang als Antrag auf Gewährung des Nachlasses. Wer sich erst nach der Zahlung mehrerer Raten dazu entschließt, die restliche Summe in einem Stück zu begleichen, muss dies zuvor im BAföG-Online-Portal beantragen.

Ehemalige BAföG-Empfänger, die ihre Abschlussprüfung vor dem 31.12.2012 abgelegt (und bestanden) haben, erhalten unter den folgenden Bedingungen Rabatt:

  • Wurde das Studium vier Monate vor Ende der Förderungshöchstdauer beendet, zieht das BVA auf Antrag 2.560 Euro von der Darlehensschuld ab. Bei Abschluss der Ausbildung zwei Monate vor Ende der Förderungshöchstdauer beträgt der Nachlass noch 1.025 Euro.
  • Wer unter den dreißig besten Studierenden seines Jahrgangs war, erhält einen Nachlass zwischen 15 und 25 %, abhängig vom Abschlusszeitpunkt im Verhältnis zur Förderungshöchstdauer.

In beiden Fällen muss der Antrag auf Nachlass innerhalb eines Monats nach Erhalt des Rückzahlungsbescheids beim BVA eingehen. Inzwischen erhalten besonders schnelle oder gute Studierende keinen Nachlass mehr.


BAföG-Antrag abgelehnt – was nun?

Wer kein BAföG bekommt, muss nicht automatisch seinen Traum vom Studium aufgeben. Oder es abbrechen, falls nach dem vierten Semester der erforderliche Leistungsstand nicht erreicht werden konnte. Denn es gibt weitere Möglichkeiten, sein Leben während der Ausbildung zu finanzieren.

    • Nebenjob: Fast zwei Drittel aller Studierenden arbeiten neben der Uni. Studentenjobs vermittelt an manchen Universitäten das Studentenwerk oder die Fakultät. Bestens geeignet sind Jobs mit freier Zeiteinteilung oder in den Semesterferien. Sogar eine selbstständige Tätigkeit ist denkbar.
    • Ein Stipendium gibts nicht nur für die Bildungselite, sondern vor allem für hart arbeitende und sozial oder politisch engagierte Studierende. Wer die Antragstellung durchzieht, erhält neben dem finanziellen Zuschuss eine ideelle Förderung. Einen Überblick der einzelnen Programme bietet die Stipendiendatenbank des Bundesbildungsministeriums.

 

  • Der staatliche KfW-Bildungskredit ist ein Darlehen mit günstigen Zinsen (eff. Jahreszins 0,62 % – Stand: 11/2019) und ab dem 3. Semester sowie jederzeit im Master erhältlich ist. Die Förderung beträgt bis zu 300 Euro im Monat und wird maximal 24 Monate lang gewährt. Maximal gibt es also 7.200 Euro. Vier Jahre nach der ersten Auszahlung beginnt die Tilgungsphase, eine Monatsrate beträgt fix 120 Euro.
  • Studienabschlusshilfe ist eine Förderung für Studierende, die die Regelstudienzeit überschreiten und kein BAföG mehr bekommen. Sie dient als Unterstützung in der stressigen Endphase des Studiums und wird als verzinsliches Bankdarlehen gewährt. Die Höhe orientiert sich an den bisherigen BAföG-Bezügen und wird vom Amt für Ausbildungsförderung festgelegt.

 

  • Unter bestimmten Voraussetzungen können Studierende Wohngeld, Hartz IV oder Arbeitslosengeld beantragen. Etwa, wenn sie die Förderungshöchstdauer oder die Altersgrenze fürs BAföG überschritten haben, in Teilzeit studieren oder ein Zweitstudium absolvieren.

Fazit

BAföG ermöglicht jungen Leuten ein Studium, die ohne Zuschuss nicht den Weg an die Universität genommen hätten. Damit leistet die Förderung einen wichtigen Beitrag zur Chancengleichheit: Gute Ausbildung – so die Theorie – darf nicht an einem geringen Einkommen scheitern.

Anspruchsberechtigt sind deutsche Staatsbürger, deren Erstausbildung in Vollzeit vor ihrem 30. Geburtstag beginnt. Für ausländische Studierende und solche, die schon älter sind oder Kinder haben, gelten Ausnahmeregelungen. Das BAföG ist zur Hälfte geschenkt, von der anderen Hälfte müssen höchstens 10.000 Euro zurückgezahlt werden und das erst fünf Jahre nach Ende der Förderung. Wer seinen Antrag rechtzeitig und vor allem komplett einreicht, kann sich während der folgenden Semester hoffentlich ohne Geldsorgen aufs Lernen konzentrieren.

Weiterführende Informationen rund ums Thema BAföG – vor allem für ausländische Studierende oder jene, die im Ausland studieren wollen – bieten neben dem Deutschen Studentenwerk, das Bundesbildungsministerium und der BAföG-Rechner von Studis Online.

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