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Studienfinanzierung mit Stipendium – so einfach ist es wirklich

In Deutschland stehen jährlich etwa 610 Millionen Euro für Stipendien zur Verfügung. Mit über 2500 Stiftungen und Institutionen ist das Angebot riesig. Allerdings wird dieser Betrag selten voll ausgelastet und so manche Stipendiengeber bleiben auf ihrem Geld sitzen. Denn viele, die eine Studienfinanzierung benötigen, wagen sich gar nicht erst an die Bewerbung. Schließlich hält sich das Gerücht hartnäckig, dass nur Einserschüler, die ihre Freizeit mit Freiwilligenarbeit verbringen, Stipendien erhalten. Dabei ist das genauso unnötig, wie bedürftig zu sein.

Es spielt auch keine Rolle, ob jemand erst anfängt zu studieren, bereits mitten drin steckt oder ein Zweitstudium in Betracht zieht. Alles, was es braucht, um das passende Stipendium zu finden, ist zu wissen, wo und wie danach gesucht werden kann. Wer also finanzielle Unterstützung für das Studium, den Master, die Ausbildung, das Auslandsjahr oder zum Promovieren braucht, findet hier alle Informationen: von der Stipendien-Recherche und den verschiedenen Anbietern bis zu Tipps für die Bewerbung.


Was ist ein Stipendium?

Ein Stipendium ist eine Förderung für eine bestimmte Zeit. Das gibt es für Studierende, Schüler, Künstler, Forscher, Sportler etc. In der Regel erhalten sie entweder eine einmalige oder eine regelmäßige Auszahlung eines bestimmten Betrages, der Ausbildungsgebühren sowie einen Teil der Lebenshaltungskosten decken soll. Wie viel Geld jemand erhält, ist unterschiedlich und hängt von der vergebenden Institution ab. Der große Vorteil eines Stipendiums gegenüber anderen Beihilfen liegt darin, dass es später nicht zurückgezahlt werden muss.

Es gibt auch Stipendien, die statt einer finanziellen Unterstützung eine ideelle Förderung darstellen. Stipendiaten erhalten kostenlosen Zugang zu Seminaren, Sprachkursen, Sommerakademien, Weiterbildungen, Mentorenprogrammen oder ähnlichen Maßnahmen. Zudem gibt es Stipendien, die geldwerte Leistungen erbringen, also beispielsweise Lernmaterialien zur Verfügung stellen. Viele Stipendiengeber bieten eine Mischung aus diesen drei Formen an.


Vorteile des Stipendiums

Obwohl die meisten in erster Linie an das geschenkte Geld denken, bringt ein Stipendium weitaus mehr Vorteile mit sich.

  • Ideelle Förderung bedeutet zusätzliche Bildungsmöglichkeiten, die obendrein kostenlos sind.
  • Ein Stipendium poliert den Lebenslauf auf. Es deutet auf eine engagierte, leistungswillige Persönlichkeit hin. Je nach Karrierewunsch kann es zudem hilfreich sein, wenn es auf eine bestimmte parteiliche oder konfessionelle Zugehörigkeit hinweist.
  • Oft verschafft die Förderung nützliche Kontakte, beispielsweise zu ehemaligen Stipendiaten oder in Form eines Mentorings. Dieses Networking kann die Karriere ankurbeln.
  • Stipendien von Unternehmen verhelfen oft zu Praktika oder interessanten Stellenangeboten.
  • Wenn der Zuschuss nur Miete, Studiengebühren, Essen und Lernmaterial deckt, muss es nicht versteuert werden.

Wer hat Anrecht auf ein Stipendium?

Grundsätzlich jeder, denn Stipendien gibt es für die unterschiedlichsten Zwecke. Neben den allseits bekannten Begabtenförderungsprogrammen richten sich einige beispielsweise gezielt an Menschen mit Migrationshintergrund oder Personen, die an chronischen Erkrankungen leiden, alleinerziehend oder finanziell benachteiligt sind. Ein überdurchschnittlich gutes Zeugnis ist dafür nicht notwendig. Dies sind lediglich vier Beispiele aus einer Vielzahl an Vergabekriterien.

Außerdem haben nicht nur Studenten Anrecht auf Förderung. Es gibt sie auch für die schulische Grundausbildung, für Weiterbildungen, Auslandsaufenthalte, ein Masterstudium, ein Zweitstudium, eine Forschungsarbeit, Projekte, Firmengründung oder eine Promotion. Mit anderen Worten, es gibt für wirklich jeden ein passendes Stipendium. Derzeit erhalten etwa fünf Prozent aller Studierenden in Deutschland ein Stipendium. Wären die restlichen 95 Prozent besser informiert, könnte diese Zahl höher sein.


Wie viel Geld erhalten Stipendiaten?

Darauf gibt es keine pauschale Antwort. Die Höhe der Zahlungen hängt vom Stipendiengeber ab. Der Betrag ist vergleichbar mit der BAföG-Förderung und liegt bei 300 bis 600 Euro pro Monat. Einige Institutionen vergeben lediglich Hundert Euro monatlich, während andere über Tausend Euro beisteuern. Manchmal gibt es Zuschüsse in Form von Büchergeld oder Unterstützung fürs Auslandssemester.

Der Betrag hängt oft vom Einkommen der Eltern ab, aber auch davon, wofür das Stipendium ist. Soll es hauptsächlich die Studiengebühren oder die Kosten für das Lernmaterial decken, fällt es geringer aus, als wenn es zusätzlich die Lebenshaltungskosten oder gar die Reisekosten für ein Auslandspraktikum übernimmt. Solche, die beispielsweise Promovierende unterstützen, sind ebenfalls höher angelegt.


Wie stehen die Chancen, ein Stipendium zu bekommen?

Diese Frage ist schwierig zu beantworten. Denn viele Institutionen, die bereit wären, Studenten zu fördern, bleiben auf ihrem Geld sitzen. Gründe dafür sind, weil sich niemand bewirbt oder keine der Bewerber ihre Kriterien erfüllen. Wer sich aber an den richtigen Stellen bewirbt, hat gute Chancen.

Dass es für beinah jeden Topf einen passenden Deckel gibt, zeigt sich darin, dass gut ein Drittel aller Stipendienanträge bewilligt werden. Sich für mehrere Stipendien zu bewerben, verbessert die Chancen um einiges. Wie bei der Jobsuche gilt allerdings auch hier, Qualität geht über Quantität. So ergibt es beispielsweise keinen Sinn, als Atheist eine evangelischen Stiftung um Förderung zu bitten.


Wie viele Stipendien darf ich haben?

Eine Förderung durch mehr als ein Stipendium ist möglich, jedoch nicht bei allen Stipendiengebern. Bei mehreren Zusagen sollten die Glücklichen auf jeden Fall mit den betreffenden Stellen abklären, ob eine Mehrfachförderung erlaubt ist. Begabtenförderungswerke beispielsweise ermöglichen dies nur dann, wenn es sich bei lediglich einer davon um finanzielle Unterstützung handelt und die restlichen ideelle Förderung bieten.

Um einige Beispiele zu nennen: Das Deutschlandstipendium lässt sich mit Stipendien kombinieren, die begabungs- sowie leistungsunabhängig sind. Etwa mit ERASMUS oder mit einigen Angeboten des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD). Wer sich von politisch oder konfessionell orientierten Stiftungen unterstützen lässt, kann nicht gleichzeitig Stipendien empfangen, denen eine unterschiedliche Gesinnung zugrunde liegt.

Der Anspruch auf BAföG bleibt erhalten, solange es sich nicht um eine Begabtenförderung handelt und die finanzielle Unterstützung unter 300 Euro monatlich beträgt. In manchen Fällen ist die Kombination mit dem BAföG sinnvoller als mit einem weiteren Stipendium. Denn unter Umständen gilt es, Gegenleistungen in Form von Berichten oder Leistungen zu erbringen und diverse Anlässe zu besuchen. Bei mehreren Stipendien gleichzeitig kann das viel Aufwand bedeuten.


Wie finde ich ein Stipendium, das zu mir passt?

Die Suche nach einem Stipendium braucht Zeit und Geduld. Dabei ist es wichtig, die richtigen Stipendiengeber zu finden und sich dann für die Bewerbung gründlich über sie zu informieren. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Suchmaschinen

Wer bei Google nach Stipendium für Studenten sucht, wird mit Millionen von Treffern belohnt. Nicht besonders effizient. Eines ist also klar, um das passende Stipendium zu finden, ist eine gezielte Recherche erforderlich. Folgende Fragen helfen, die Suche einzugrenzen:

  • Was unterscheidet mich von anderen Anfragen? (Ich bin beispielsweise alleinerziehend, Waise oder Ausländerin.)
  • Wozu brauche ich das Stipendium? (Für das Studium im Ausland, meine Doktorarbeit …)
  • Was möchte ich studieren oder was studiere ich?
  • Mein Wohnort oder die Region in der ich lebe.

Die Kombination der Antworten zu diesen Fragen zusammen mit Stipendium ergeben bereits viel weniger Treffer. Stipendium Regensburg beispielsweise ergibt 771.000 Ergebnisse. Stipendium in Verbindung mit Regensburg und Jura nur noch 360.000. Ganz oben ist die Webseite der Universität Regensburg aufgelistet, was uns zum nächsten Punkt bringt.


Beratungsdienste der Hochschulen

Die Hochschulen selbst sind eine hervorragende Anlaufstelle, um sich nach Stipendiengebern zu erkundigen. Oft arbeiten sie mit verschiedenen Institutionen und Stiftungen zusammen, die Studierende fördern. Studentinnen können sich zusätzlich an die Frauenbeauftragte der Universität wenden, die Informationen zu Förderprogrammen speziell für Frauen haben.


Internetportale

Im Internet gibt es mehrere Datenbanken, die eine umfassende Übersicht über aktuelle Stipendien liefern. Es lohnt sich auf jeden Fall, einige davon zu durchstöbern.

  • Einserschüler können sich auf Stipendium Plus über Begabtenförderwerke erkundigen.
  • Stipendienlotse.de ist eine Plattform des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Die Suche lässt sich nach bestimmten Kriterien filtern, beispielsweise der Art des Stipendiums, Bildungsphase, Zielregion oder Studienfächern.
  • Das BMBF hat mit dem Deutschlandstipendium eine eigene Fördermaßnahme ins Leben gerufen, die es an einem Großteil der deutschen Universitäten gibt. Mehr Infos dazu gibt es hier.
  • E-fellows.net rühmt sich als eine der größten Stipendien-Datenbanken Deutschlands. Auch hier lassen sich die Ergebnisse nach bestimmten Kriterien filtern.
  • Auf Mystipendium.de lassen sich nach einer Registrierung über 1200 mögliche Stipendiengeber aufrufen.
  • Der Bundesverband Deutscher Stiftungen verfügt ebenfalls über eine eigene, äußerst umfangreiche Datenbank. Allerdings sind die verschiedenen Stiftungen hier lediglich in alphabetischer Reihenfolge oder nach zugehöriger Universität abrufbar.
  • Die Süddeutsche Zeitung hat eine eindrucksvolle Sammlung an Informationen rund um Stipendien zusammengestellt, inklusive einer Liste mit verschiedenen Förderern.
  • Eine weitere Liste mit Stipendiengebern findet sich auf Squeaker.net.
  • Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft hat die mit ihm in Verbindung stehenden Stiftungen thematisch sowie alphabetisch sortiert.
  • Eine Liste mit möglichen Förderern für einen Auslandaufenthalt gibt es beim Deutschen Akademischen Auslandsdienst (DAAD).
  • Dieser Bericht vom Spiegel ist zwar schon etwas älter, bietet aber dennoch einen guten Überblick.
  • Das Bildungswiki hat eine ausführliche Liste, geordnet nach Art der Stipendien.

Wie bewerbe ich mich für ein Stipendium?

Zunächst müsse die Anforderungen gründlich durchgelesen werden, denn diese variieren je nach Stipendiengeber. Einige fragen nach bestimmten Nachweisen, beispielsweise vom Finanzamt oder über das Einkommen der Eltern, andere wünschen sogar ein Bewerbungsvideo. Folgende Unterlagen sind immer erforderlich:

  • Ein tabellarischer oder ausführlicher Lebenslauf.
  • Schulzeugnisse, wenn vorhanden Praktikumszeugnisse, bei Begabtenförderung zudem Lehrergutachten oder ähnliche Leistungsnachweise.
  • Ein Motivationsschreiben, das erklärt, warum dieser Bewerber oder diese Bewerberin für das Stipendium infrage kommt. Manchmal fragen Stiftungen nach den Beweggründen für die Auswahl des Studienganges.

Bei einigen Stipendiengebern ist es nicht möglich, sich selbst zu bewerben, sondern nur über die eigene Hochschule. In diesem Fall wenden Bewerber sich am besten an den schulinternen Beratungsdienst.

Genauso wichtig ist es, dass sich Interessierte gut über die Kriterien informieren. Manche Förderwerke erwarten Gegenleistungen, etwa in Form von Pflichtveranstaltungen, einem Mindestnotendurchschnitt oder Werbung für das Studium. Bei Förderung durch Unternehmen können sich Stipendiaten dazu verpflichten, nach dem Abschluss eine gewisse Anzahl an Jahren beim Stipendiengeber zu arbeiten.


Worauf sollte ich bei der Bewerbung achten?

  • Jede Stiftung hat unterschiedliche Bewerbungsfristen. Manche wählen ihre Stipendiaten mehrmals jährlich aus, andere nur einmal. Wer diese verpasst, muss unter Umständen bis zum nächsten Jahr warten.
  • Ein ausführlicher Lebenslauf bedeutet, dass dieser auf zwei bis drei Seiten ausformuliert ist. Es geht nicht nur um das was und wo, sondern vor allem um die persönlichen Beweggründe dahinter. Warum habe ich mich für diesen Studiengang entschieden? Warum habe ich ein Zwischenjahr in Südafrika absolviert und was habe ich in der Zeit gelernt?
  • Das Motivationsschreiben sollte die eigene Persönlichkeit darstellen und begründen, warum Bewerber und Förderer zusammenpassen. Das heißt, es ist notwendig, sich intensiv mit dem Stipendiengeber und dessen Philosophie auseinanderzusetzen.
  • Natürlich finden sich in den Bewerbungsunterlagen keine Grammatik- oder Rechtschreibfehler.
  • Das Bewerbungsgespräch sollte so betrachtet werden wie das für einen Job. Authentizität und Ehrlichkeit sind genauso wichtig wie Professionalität.
  • Der Dresscode lautet smart casual, also die guten Jeans mit Hemd oder Bluse. Grundsätzlich gilt, wer sich in seiner Kleidung wohlfühlt, sieht automatisch besser aus!
  • Tägliches Zeitungslesen bereitet bestens auf gesellschaftspolitische Fragen vor.
  • Manche Stipendiengeber organisieren ein Auswahlseminar, das bis zu einem ganzen Wochenende dauert. Es zahlt sich aus, sich besonders gut darauf vorzubereiten. Bewerber sollten sich vorher über den Ablauf informieren. Außerdem, wenn möglich, Stipendiaten, die das Verfahren bereits hinter sich haben, nach Tipps bitten.

Fazit

Eine Bewerbung für eins oder mehrere Stipendien lohnt sich auf jeden Fall! Denn es gibt unzählige Stiftungen, die noch auf der Suche nach den richtigen Bewerbern sind. Entgegen dem allgemeinen Glauben gibt es selbst ohne Einserdurchschnitt reelle Chancen auf diese Art der Studienförderung. Die unterschiedlichsten Stiftungen verleihen diese aus vielerlei Gründen. Ganz nach dem Motto, wer richtig sucht, der findet. Sei es mit gezielter Google-Suche, mit Unterstützung des universitären Beratungsdienstes oder auf einem der zahlreichen Stipendien-Portale.

Ein Stipendium hilft dabei, das Studium oder eine anderweitige Ausbildung zu finanzieren, das Auslandssemester oder in kürzerer Zeit zu promovieren. Einige stellen allerdings eine ideelle Förderung dar. Sie bieten Stipendiaten kostenlose Bildungsmöglichkeiten. Neben der finanziellen und akademischen Unterstützung verhelfen Stipendien zu wertvollen Kontakten. In Form von Mentoren oder Ex-Stipendiaten können diese als Fürsprecher die spätere Karriere ankurbeln.

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