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wieso bachelorstudiumMit rund 92 Prozent befinden sich fast alle Studiengänge in Deutschland im Bachelor-Master-System. Wer ein Studium in Angriff nimmt, beginnt mit dem Bachelor und vielen Fragen dazu. Wie viele Fächer kann ich belegen? Was ist das ECTS-System und was sind Module?

Ist der Master verpflichtend oder reicht der Bachelor für den Berufseinstieg? Informationsveranstaltungen der Hochschulen schaffen Unsicherheiten aus der Welt. Andererseits ist es nicht jedem möglich, daran teilzunehmen.

Darum gibt es hier einen Überblick über alles Wissenswerte rund um das Bachelorstudium, um gut informiert die Studienwahl treffen zu können und natürlich den Studienbeginn möglichst reibungslos zu gestalten.


Wieso studieren?

auf bachelor studierenLohnt sich ein Studium heutzutage überhaupt noch? Eine gerechtfertigte Frage. Immerhin lässt sich mit einer Ausbildung direkt Geld verdienen und Weiterbildungsmöglichkeiten bringen lernwillige Arbeitnehmer in Führungspositionen. Die Entscheidung für oder gegen ein Studium sollte nicht bloß von den Zukunftsperspektiven abhängen, sondern sich vor allem nach den eigenen Interessen und Fähigkeiten richten. Wer gerne Neues lernt, ist in einer Hochschule generell gut aufgehoben. Für manche Traumberufe wie beispielsweise Tierarzt ist die akademische Ausbildung zudem unabdingbar.

Längerfristig verhilft ein Studium zu besseren beruflichen Perspektiven als eine Ausbildung und reduziert das Risiko der Arbeitslosigkeit. Denn Hochschulabsolventen sind gefragte Fachkräfte! Entsprechend verbessern sich ihre Aufstiegschancen in Unternehmen sowie ihre Verdienstmöglichkeiten. Mit einem Fachhochschulabschluss ist der Lohn bis zu 62 Prozent höher als mit einer Berufsausbildung. Uni-Absolventen haben sogar bis zu 79 Prozent mehr auf dem Konto. Allerdings ist das Einkommen stark branchenabhängig.

Was ist der Bachelor?

Mit der Bologna-Reform wurden die bisherigen Diplom- und Magisterstudiengänge durch den Bachelor und anschließenden Master ersetzt. Entsprechend handelt es sich bei diesem Bachelor nicht um einen mediengeilen Junggesellen im Abendprogramm, sondern um den ersten Studienabschluss. In den meisten Fällen ist dieser berufsqualifizierend.

Das englische Wort Bachelor geht auf den lateinischen Begriff Baccalarius zurück, der bereits damals einen akademischen Abschluss bezeichnete. Seit dem Mittelalter bezieht sich das daraus abgeleitete Bakkalaureus auf den untersten akademischen Grad. Dieser wurde vom Abitur abgelöst. Manche deutsche Hochschulen verwenden übrigens heute noch den Begriff Bakkalaureus, um Anglizismen zu vermeiden.

Was ist die Bologna-Reform?

Um das Hochschulsystem in Europa zu vereinheitlichen, schlossen sich Anfang des 21. Jahrhunderts 47 europäische Nationen der Bologna-Reform an. Diese ersetzte alle bisherigen Abschlüsse weitgehend mit dem mehrstufigen Bachelor-Master-System. Die Ziele der Reform waren eine verkürzte Studienzeit, erhöhte Berufsbezogenheit der Studiengänge und eine schnellere Berufsqualifizierung. Dank der Vereinheitlichung ist es nun einfacher, ein Auslandssemester einzulegen oder nach dem Studium außerhalb Deutschlands zu arbeiten.

Seither gibt es das ECTS, das European Credit Transfer System. Dabei handelt es sich um Leistungspunkte, die den Arbeitsaufwand messbar und somit vergleichbar machen. Ein Leistungspunkt (Creditpoint oder kurz CP) entspricht ungefähr dreißig Arbeitsstunden. Veranstaltungen bringen, dem erforderlichen Aufwand entsprechend, unterschiedlich viele CP ein. Pro Semester schaffen Studierende in der Regel 30 CP. Um den Bachelor abzuschließen, benötigen sie bei einer Regelstudienzeit von sechs Semestern 180 CP.

Welcher Bachelor passt zu mir?

bachelor studium abschliessenUm diese Frage zu beantworten, gilt es, die eigenen Interessen, Fähigkeiten und Stärken zu erforschen. Es ist hilfreich, sich dabei an den Fächern zu orientieren, die in der Schule besonders Spaß machten und die im Abiturzeugnis entsprechend glänzen. So lässt sich der Fachbereich ermitteln, der interessiert, was den Wunsch-Bachelor bereits eingrenzt. Wer sich verloren fühlt, dem hilft vielleicht einer der zahlreichen Studienwahltests oder Orientierungstests weiter, die es im Internet gibt. Hochschulen sowie die Bundesagentur für Arbeit bieten zudem meist kostenlose Studienberatungen an.

Wichtig ist bei der Studienwahl vor allem eines. Egal auf welchen Bachelorstudiengang die Entscheidung fällt, sie muss nicht endgültig sein. Viele Studierende wechseln ihr Fach im Laufe des Studiums, manche brechen es sogar ab. Wieder andere fangen erst nach der abgeschlossenen Berufsausbildung an, zu studieren. Mit anderen Worten, eine Neuorientierung ist jederzeit möglich!

Wie läuft ein Bachelorstudium ab?

Im Bachelorstudium lernen Studierende fachliche Sachverhalte, Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens sowie sprachliche und soziale Kompetenzen. Die Regelstudienzeit beträgt an Universitäten meistens sechs Semester, an Fachhochschulen sowie an Hochschulen in Bayern sieben. Einige Studiengänge belaufen sich auf sieben oder acht Semester, dafür ist der Master danach entsprechend kürzer. Mit wenigen Ausnahmen dauern Bachelor und Master zusammen zehn Semester, also fünf Jahre.

Aufbau

Die ersten zwei bis vier Semester der Bachelorstudienzeit umfassen das sogenannte Grundstudium, das Grundlagenkenntnisse vermittelt, auf denen das restliche Studium aufbaut. Im Maschinenbaustudium beispielsweise drehen sich die ersten Semester hauptsächlich um Mathematik und Naturwissenschaften.

Danach folgt das Hauptstudium, das sich den eigenen Interessen weitgehend anpassen lässt. Studierende können Wahlpflichtfächer und Schwerpunkte gezielt auswählen. Wer BWL studiert, hat die Möglichkeit, sich auf Marketing oder Finanzen zu spezialisieren. Dabei liegt es im Ermessen der Hochschule, wie sie die Studienschwerpunkte setzt. Dies ist bei der Entscheidung, wo das Studium absolviert wird, unbedingt zu berücksichtigen!

Das Bachelorstudium schließt mit der Bachelorarbeit bzw. Bachelorthesis ab. Studierende schreiben diese im letzten Semester und zeigen damit, dass sie ein Thema auf wissenschaftlicher Grundlage eigenständig bearbeiten können. Eine mündliche Prüfung ist selten erforderlich. Die Arbeit umfasst zwischen zwanzig und sechzig Seiten. Mit lediglich 6 bis 12 CP macht sie einen vergleichsweise kleinen Teil der Endnote aus.

Struktur und Inhalte

Während des Studiums stehen hauptsächlich Vorlesungen und Seminare auf dem Stundenplan. Letztere unterscheiden sich zunächst durch eine kleinere Teilnehmeranzahl. Im Gegensatz zu Vorlesungen, in denen Professoren und Professorinnen Sachverhalte erklären und Studierende Notizen machen, erfordern Seminare aktive Mitarbeit. Es gilt, Referate zu halten und Hausarbeiten zu schreiben. Begleitend zu diesen Veranstaltungen gibt es Übungen und Tutorien, um die Themen gemeinsam zu besprechen und zu bearbeiten.

Thematisch ähnliche Veranstaltungen sind in Module gegliedert. So kann ein Modul aus zwei Vorlesungen, einem Seminar und einer Übung bestehen. Studierende schließen es mit einer Modulabschlussprüfung ab. Germanistik beispielsweise enthält meistens die Module Neue und Ältere Literaturwissenschaft sowie Sprachwissenschaft.

Dem Sammeln erster praktischer Erfahrungen dient das Praktikum oder Volontariat. Diese sind meist schlecht oder gar nicht bezahlt, aber unabdingbar, um ins Berufsleben einzusteigen. Außerdem dienen sie dem Networking und manchmal bietet sich die Möglichkeit für eine Übernahme in die Festanstellung. Während an Universitäten oft lediglich in den Semesterferien oder nach abgeschlossenem Bachelor Zeit dafür bleibt, integrieren Fachhochschulen normalerweise ein Praktikumssemester. Viele Studierende setzen die gelernte Theorie in einem Werkstudentenjob in die Praxis um.

Diplom und Staatsexamen

Diplomstudiengänge sind in Deutschland mit rund 8 Prozent selten geworden. Maschinenbau lässt sich beispielsweise an einigen Hochschulen mit Diplom studieren, da dieses hohes Ansehen genießt. Dann gibt es Studiengänge, die etwas aus der Reihe tanzen, da sie nicht in Bachelor und Master aufgeteilt sind oder diese nicht berufsqualifizierend sind. Stattdessen ist ein Staatsexamen erforderlich.

  • Humanmedizin dauert insgesamt zwölf Semester. Die ersten vier zählen zur Vorklinik, es folgen sechs Semester Klinik und das Studium schließt mit dem praktischen Jahr ab.
  • Zahnmedizin ist in je fünf Semester Vorklinik und Klinik aufgeteilt.
  • Tiermedizin umfasst elf Semester, beginnend mit dem Vorphysikum, der Bezeichnung für den naturwissenschaftlichen Teil. Es folgt das Physikum, so heißt der anatomisch-physiologische Teil und endet mit dem praktischen Teil.
  • Jura besteht aus einem viersemestrigen Grundstudium, dem ein vier- bis sechssemestriges Hauptstudium folgt.
  • Das Lehramt dauert, je nach Bundesland acht bis zehn Semester. Alumni sind mit bestandenem Master berufsberechtigt.
  • Wer sich für einen dualen Studiengang an einer Berufsakademie entscheidet, kann danach eventuell keinen Master studieren. Höchstens an Fachhochschulen und einigen Berufsakademien in Baden-Württemberg gilt dieser als staatlicher Abschluss.

Studienformen

Es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten zu studieren. Zum einen hat das klassische Vollzeit-Präsenz-Studium Konkurrenz erhalten. Es gibt inzwischen berufsbegleitende Varianten, mit Unterricht an Abenden oder Wochenenden sowie ein breites Angebot an Fernstudiengängen. Das duale Studium erfreut sich ebenfalls wachsender Beliebtheit. Hier arbeiten Studierende in einem ausbildenden Betrieb und erhalten das theoretische Wissen dazu im begleitenden Unterricht an einer Hochschule.

Studienmodelle

Wer Medizin oder Architektur studiert, widmet seine volle Aufmerksamkeit diesem Fach. Dieses Studienmodell ersetzt den früheren Diplomstudiengang und nennt sich 1-Fach-Bachelor oder Monobachelor. Allerdings lassen sich einige Studiengänge nicht ausschließlich studieren. Darüber hinaus ist es oft sinnvoll, zwei Fächer miteinander zu verbinden.

Das geht im 2-Fach-Bachelor. Hier schreiben sich Studierenden für zwei Studiengänge ein. Diese erbringen entweder gleich viele CP (jeweils 90) oder sie sind in Haupt- und Nebenfach mit 120 und 60 CP aufgeteilt. Wer sich zum Beispiel für Psychologie und spanische Literatur interessiert, kann beide Studienrichtungen auf diese Weise kombinieren. Psychologie mit BWL ist sinnvoll für diejenigen, die später im Personalwesen arbeiten möchten.

Der Mehrfach- oder Kombi-Bachelor ist an manchen Hochschulen als 2-Fach-Bachelor verfügbar, er besteht aus einem Hauptfach in Kombination mit zwei Nebenfächern. Oft ersetzt er den früheren Magister-Studiengang und ist ausschließlich an Universitäten möglich. Dabei ergibt das Hauptfach normalerweise 90 CP und die Nebenfächer jeweils 60 und 30 CP. Die Bachelorarbeit wird im Hauptfach geschrieben. Für manche Studiengänge gibt es Vorschriften, mit welchen Fachrichtungen sie kombinierbar sind. Die Bedingungen hängen von der Hochschule ab.

Universität oder Fachhochschule?

Beide Hochschulen bieten gleichwertige Abschlüsse an, sie unterscheiden sich hauptsächlich in ihrem Bildungsauftrag. Universitäten bilden für die wissenschaftliche Forschung aus, weshalb die Ausbildung hier sehr theorielastig ist. Dafür bieten sie mit Wahl- und Schwerpunktfächern mehr Flexibilität in der Studiengestaltung.

Fachhochschulen sind stärker praxisorientiert. Sie bilden für die angewandte Forschung aus. Außerdem sind die Lerngruppen kleiner, was eine persönlichere Betreuung ermöglicht, ähnlich wie in der Schule. Dafür sind die Stundenpläne strenger organisiert und den Studierenden bleibt entsprechend weniger Freiraum.

Bachelor-Fachrichtungen

Abhängig vom Studiengang erhalten Alumni einen unterschiedlichen Bachelor, denn die Abschlüsse richten sich grob nach der fachlichen Ausrichtung.

  • Geistes-, Sozial-, Kultur-, Sprach- und Sozialwissenschaften: Bachelor of Arts (B. A.)
  • Mathematik, Medizin, Natur-, Agrar-, Forst- und Ernährungswissenschaften: Bachelor of Science (B. Sc.)
  • Wirtschaftswissenschaften: Je nach Ausrichtung des Studiengangs B. A. oder B. Sc.
  • Rechtswissenschaften: Bachelor of Laws (LL. B)
  • Ingenieurwissenschaften: Je nach Ausrichtung Bachelor of Engineering (B. Eng.) oder B. Sc.
  • Lehramt: Bachelor of Education (B. Ed.)
  • Musik: Bachelor of Music (B. Mus.)
  • Freie Kunst: Bachelor of Fine Arts (B. F. A.)
  • Künstlerische Studiengänge wie Design oder darstellende Kunst: B. A.

Master oder Berufseinstieg – was kommt nach dem Bachelor?

Der Master dauert noch einmal zwei bis vier Semester. Viele entscheiden sich aufgrund der besseren Verdienstmöglichkeiten dazu, denn ein Master erhöht das Gehalt um durchschnittlich 14 Prozent! Vor allem in der Werbung und den sozialen Berufen steigt der Lohn deutlich an. Wer dem noch eins draufsetzen will, schreibt eine Dissertation und promoviert, um den Doktortitel zu erhalten.

An der Uni zu bleiben und sein Fachwissen zu erweitern, ist eine individuelle Entscheidung. Lediglich für staatlich regulierte Berufe, wie Jura, Medizin und Lehramt, ist ein höherer Abschluss verpflichtend. Dies gilt ebenso für alle, die im Bereich Mathematik, Physik, Chemie oder den Geowissenschaften arbeiten möchten.

Berufsaussichten mit dem Bachelorabschluss

Karriere geht auch ohne Master! In den meisten Studiengängen ist der Bachelor berufsqualifizierend. Schließlich war dies eines der Ziele der Bologna-Reform. Mindestens ein Praktikum ist allerdings erforderlich, um erste praktische Erfahrungen zu sammeln. Bei einem Großteil der Unternehmen ist es mit dem Bachelor und Berufserfahrung möglich, eine Führungsposition einzunehmen. Ob ein höherer Abschluss erforderlich ist, hängt vom Beruf, der Branche und der expliziten Tätigkeit ab.

Wer sich für eine operative Beschäftigung interessiert, ist mit dem Bachelor bestens ausgerüstet. Denn eines darf nicht vergessen gehen: Bachelorabsolventen trumpfen mit zwei bis drei Jahren Berufserfahrung, die Masterstudierende noch nicht sammeln konnten. Wenn für den Traumberuf konzeptionelle oder strategische Fähigkeiten gefragt sind, macht sich ein Master besser im Lebenslauf.

Fazit zum Bachelor

Ein Studium lohnt sich nach wie vor. Es wirkt sich positiv auf die Verdienst- sowie die Karrieremöglichkeiten aus. Darüber hinaus lernen Studierende, wissenschaftlich zu denken, Dingen auf den Grund zu gehen und diese zu hinterfragen. In Vorlesungen erhalten sie das theoretische Wissen und in Seminaren schreiben sie Arbeiten über selbst erarbeitete Fragestellungen. Nach sechs Semestern, mit einem Bachelor in der Tasche und mindestens einem absolvierten Praktikum, sind sie auf das Berufsleben vorbereitet. Wer will, vertieft sein Wissen in einem anschließenden Masterstudium – das übrigens für noch bessere Verdienstmöglichkeiten sorgt. Ausnahme bilden Studiengänge wie Medizin, Jura und das Lehramt. Hier ist der Master ein Muss oder sie erfordern ein Staatsexamen für die Berufsqualifizierung. Egal auf welchen Bachelorstudiengang die Entscheidung fällt, eines ist sicher. Das Studium ist eine unvergessliche Zeit!

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